Rund 70 Besucherinnen und Besucher sind am Mittwochabend in den Stucksaal gekommen, um die Ausstellung „Es gibt hier keine Kinder. Zeichnungen eines kindlichen Historikers“ zu sehen und den begleitenden Vortrag von Werner Fromm zu hören. Die Veranstaltung wurde von Fromm in Kooperation mit der Stadt Langenselbold organisiert.
Zwischen 18 und 19 Uhr hatten die Gäste zunächst Gelegenheit, sich die Ausstellung in Ruhe anzuschauen. Gezeigt wurden darin Zeichnungen von Thomas Geve, der nach zwei Jahren Haft in den Konzentrationslagern Auschwitz, Groß-Rosen und Buchenwald als Fünfzehnjähriger das Grauen überlebte. Unmittelbar nach der Befreiung hielt er seine Erinnerungen auf Papier und mit Bleistiften fest, die Mithäftlinge aus der von der SS verlassenen Schreibstube organisiert hatten. Die Bilder geben einen eindringlichen Einblick in den Alltag der Konzentrationslager aus der Perspektive eines Kindes.
Ab 19 Uhr begann der Vortrag von Werner Fromm, der zunächst die Entstehung und die Hintergründe der Zeichnungen erläuterte. Im weiteren Verlauf richtete sich der Blick auf drei Widerstandskämpfer aus Langenselbold: Karl Reidel, Helmut Röder und Karl Hohmann. Sie waren politische Häftlinge im Konzentrationslager Buchenwald und überlebten die Haft. Auch die traurige Geschichte von Valentin Schmidt erzählte er.
Besonders eindrücklich schilderte Fromm die Lebensgeschichte seines Großvaters Karl Reidel, der als Gewerkschafter und Kommunist früh ins Visier der Nationalsozialisten geriet und mehr als zehn Jahre seines Lebens in Gefängnissen und im Konzentrationslager Buchenwald verbringen musste. Anhand persönlicher Erinnerungen und überlieferter Geschichten machte Fromm deutlich, wie entscheidend Solidarität unter den Häftlingen für das Überleben vieler Gefangener war.
Der rund zweistündige Vortrag wurde von den Besucherinnen und Besuchern aufmerksam verfolgt. Im Anschluss entwickelte sich noch ein reger Austausch, bei dem Fragen gestellt und Eindrücke geteilt wurden.
Die Ausstellung und der Vortrag machten deutlich, wie wichtig die Erinnerung an die Verbrechen der nationalsozialistischen Diktatur und an den Widerstand dagegen bis heute ist. Nie wieder ist jetzt, meinte Werner Fromm abschließend.
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